Curth Flatow

DAS GELD LIEGT AUF DER BANK

Ein Schwank

PREMIERE: 04.12.2010

Regie - Esther Undisz
Ausstattung - Stephan Fernau
Dramaturgie - Gisela Kahl
Stagemanagement - Christina Linser
Stagemanagement - Mirko Warnatz
Marco Matthes, Heinz Klevenow, Wolfgang Schmitz, Eva Kammigan Heinz Klevenow, Eva Kammigan Eva Kammigan, Heinz Klevenow, Wolfgang Schmitz, Marco Matthes
Heinz Klevenow, Till Demuth, Eva Kammigan Eva Kammigan, Heinz Klevenow, Marco Matthes, Wolfgang Schmitz Wolfgang Schmitz, Heinz Klevenow, Eva Kammigan, Marco Matthes
Heinz Klevenow, Maria Prüstel, Eva Kammigan Sybille Böversen, Heinz Klevenow Catharina Struwe, Till Demuth, Marco Matthes, Heinz Klevenow, Wolfgang Schmitz, Eva Kammigan

Es spielen:

Gustav Kühne, genannt "der kühne Gustav" - Heinz Klevenow
Erika, seine Frau und Barbara, deren Tochter - Eva Kammigan
Alfred Kühne, Gustavs und Erikas Sohn - Wolfgang Schmitz
Wolfgang Kühne, Gustavs und Erikas Sohn - Marco Matthes
Cornelia, Wolfgangs Tochter - Maria Prüstel
Willi Böttcher, Kriminalkommissar und Hans Böttcher, sein Sohn - Till Demuth
Herr Gottschalk, Vertreter für Alarmanlagen - Sybille Böversen
Frau Ehrenreich, Generaldirektorin der Bank - Catharina Struwe

Gustav Kühne, genannt „der kühne Gustav“, ist Profi. Seine perfekten Bankeinbrüche sind legendär.  Am Morgen seines 40. Geburtstag ist ihm allerdings die Polizei so dicht auf den Fersen, dass Gustav dem lieben Gott einen Deal anbietet: Wenn er nicht hopps genommen wird, will er die nächsten 40 Jahre ein braves, gutbürgerliches Leben führen. Gesagt und getan, und so rückt der 80. Geburtstag heran. Das ganz große Ding soll nun endlich steigen! Die Bank für den Superbruch ist sorgfältig ausgespäht – da erscheinen die karrieresüchtigen Söhne, von Beruf Chefredakteur bzw. Schuldirektor, auf der Bildfläche und fürchten um ihre Reputation. Sie locken ihren Vater in eine perfide Falle, vergebens. Die kriminelle Energie des Alten ist ungebrochen – da mischt unversehens die Konkurrenz mit und Gustav muss „seine Bank“ verteidigen...     
Ein Schwank der Extraklasse vom deutschen Komödienprofi schlechthin!

Nächste Vorstellung(en):

Samstag, 10. 03. 2012, 19.30 Uhr, Hauptbühne

KRITIKEN / AUSZÜGE

Viel Komik speist sich in diesem 43-jährigen Schwank aus der Verdrehung der Bedeutungen und Vorzeichen: Wenn zwei Seiten scheinbar das Gleiche loben, tun sie es mitnichten. Das merken zwar die Zuschauer, aber nicht die Bühnenfiguren. Aus dieser Konstellation entwickelt Curth Flatow viel Dialogwitz und Situationskomik in seinem Schwank, der nach der Uraufführung 1968 im Berliner Hebbeltheater eine mehr als 500 Aufführungen umfassende Erfolgsserie hinlegte. […] Ich gebe zu: Ich habe gelacht. Ich habe sogar gern und viel gelacht und mich immer wohlgefühlt bei einem Schwank, dem Dramaturgin Gisela Kahl einiges von seiner Behäbigkeit ausgetrieben hat. Regisseurin Esther Undisz hat mit angenehm leichter Regiehand die Figurenklischees nicht vergröbert, sondern vergrößert. Mit Schauspielern, die mindestens so viel Spaß dabei haben wie wir Zuschauer. An ihrer Spitze: der wunderbare Heinz Klevenow als Gustav Kühne.Der hat an seinem 40. Geburtstag mal wieder mit seinen beiden Söhnen eine Bank ausgeraubt […]. Doch da einer der beiden einen Fehler gemacht hat, steht der Kriminalkommissar in der Tür. Deshalb bittet Gustav Gott um Hilfe mit dem Versprechen, 40 Jahre vom Tresorknacken zu lassen. Seine Bitte wird erhört. Klar, dass der Autor Kühnes 40 bruchlose Jahre überspringt und uns den munteren Alten erst an dessen 80. Geburtstag wieder zeigt, wie er natürlich wieder einen Bankraub vorbereitet. Wie Heinz Klevenow den Gustav als lustvoll listigen Biedermann zum Sympathieträger macht, ist von einer handwerklichen Souveränität und sinnlichen Unangestrengtheit, die man schier nicht beschreiben kann: Man muss es sehen. Und wie Klevenow die alte Komödiennummer, bei der einer beim vermeintlichen Kaffeetrinken mit bösen Folgen an ein scharfes Getränk gerät, so variiert, wie man sie noch nie gesehen zu haben meint, ist enorm gelächterträchtig und schauspielerisch einfach toll. Und wenn Sybille Böversen den Vertreter für Alarmanlagen mit einer zutiefst menschlichen Komik ausstattet (jede Geste zugleich eine Haltung und ein Witz), oder wenn Eva Kammigan, nachdem sie erst Kühnes Frau Gespielt hat, sich dann als dessen Tochter schmunzel-komisch durch ihre herzschmerzige Verliebtheit zum Sohn des Kriminalkommissars windet, dann verfällt man der Inszenierung von Esther Undisz endgültig. In der Gustavs Söhne (Wolfgang Schmitz und Marco Matthes) zuerst komisch piepsig und später zitathaft spießig daherkommen, während sie ihre von immer den gleichen Running Gags geprägten Bruderkämpfe austragen.Till Demuth, Maria Prüstel und Catharina Struwe komplettieren ein spieltolles Ensemble, das uns diesmal kein großes Theaterstück, aber ein großes Stück Schauspielertheater lieferte.
Lausitzer Rundschau, 06.12.2010


Senftenberg entstaubt Curth Flatows 1968 am Hebbel-Theater uraufgeführten Schwank „Das Geld liegt auf der Bank“, den Esther Undisz jetzt an der NEUEN BÜHNE Senftenberg erfrischend komisch und augenzwinkernd das Kolorit der Zeit beschreibend inszeniert hat. Was, so fragt sich Vollblutmime Klevenow - gar nicht mehr Ganove, sondern ganz köstlich biederer Familienvater - , soll nur aus den Jungen werden? Alfred und Wolfgang stellen sich nämlich einfach dämlich an. Zu unserem Glück, denn so gibt es über Wolfgang Schmitz‘ und Marco Matthes‘ komisch-kindliches Brüderpaar allerhand zu lachen. Wie über das gesamte Personal dieses heiteren und doch auch intelligenten Abends auf Stephan Fernaus Bühne.
Der Söhne Dusseligkeit indes ist für Gustav gar nicht das Problem. Es ist nicht weiter tragisch, dass sich Alfred immer wieder die Tür vor das Hirn donnern lässt und Wolfgang stets sein Schienbein ramponiert, weil er Mal um Mal auf die Zinken einer Harke tritt. Viel schlimmer ist: Wolfgang hat beim letzten Einbruch ohne Wissen seines Papas eine Perlenkette abgestaubt. „Kaum haben sie ein Mädchen im Schädel“, poltert das Familienoberhaupt da, „ist der Verstand im Ar…“ Ja, der Profi Kühne weiß: Das kann kreuzgefährlich werden. Und es ist gefährlich. Denn die Polizei steht schon vor der Tür. In Gestalt des Kommissar Willi Böttcher, den Till Demuth als leicht zerstreuten, aber entschlossenen Schnüffler gibt. Schon einmal hat er Gustav in den Knast befördert. Und er will es wieder tun. Vielleicht ja auch, weil er beim Verhör an Gustavs prachtvoller Gemahlin Erika Gefallen fand? Eva Kammigan lässt ihre Hüften schwingen und die Augen funkeln. Wie die Schauspielerin das tut, es ist zum Totlachen.
Dann sind da noch Gustav Kühnes Enkeltochter – geradezu anrührend wie Maria Prüstel als kess-opponierende Punkerin mit feurigem Irokesenschopf mit ihrem taffen Opa über den Sozialismus debattiert – und Herr Gottschalk. Sybille Böversens brüllend komischer Auftritt als Vertreter für Alarmanlagen ist einer der Höhepunkte dieses ausgesprochen gelungenen Boulevards.
Märkische Allgemeine Zeitung, 15.12.2010

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