
Kleinstadtnovelle
von Ronald M. Schernikau
Premiere 23. Januar 2027 im Studio
Der Schüler b. lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einer Kleinstadt. Er ist selbstbewusst, hat seine eigene Meinung und zeigt sich offen homosexuell – Ende der 70er Jahre alles andere als selbstverständlich. Mit wachem Blick beobachtet er seine Umgebung: den Gruppenzwang auf dem Schulhof, die groben Männlichkeitsrituale und die Angepasstheit der Erwachsenen. Als er sich in einen Mitschüler verliebt, scheint Nähe plötzlich möglich. Doch der andere bekennt sich nicht, verrät ihn und was als persönliche Geschichte beginnt, wird zum öffentlichen Skandal. Gerüchte verbreiten sich, Eltern mischen sich ein und schließlich soll b. die Schule verlassen. Die Kleinstadt wird enger und b. muss entscheiden, ob er sich beugt, für sich einsteht oder gehen muss, weil es hier keinen Platz mehr für ihn gibt.
Als die „Kleinstadtnovelle“ 1980 erschien, war sie ein Befreiungsschlag: Hier sprach ein homosexueller Protagonist ganz offen, selbstbewusst und ohne falsche Scham von seinen Erfahrungen.
Der Autor Ronald M. Schernikau ging damals selbst noch zur Schule. Kurz nach dem Erscheinen war das Buch schon vergriffen. Jahrelang galt es als Geheimtipp, 2024 wurde es in den SPIEGEL-Literaturkanon „Die besten 100 Bücher aus 100 Jahren“ aufgenommen.
„Kleinstadtnovelle“ ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden – davon, herauszufinden, wer man ist und wen man liebt. Tommy Wiesners Inszenierung erzählt die Geschichte für die Gegenwart und hält uns schillernde Spiegel vor: Welchen Stellenwert hat Zärtlichkeit in unserer Gesellschaft und wie gehen wir mit Menschen um, die anders leben oder lieben wollen?