Der betrunkene Sachse: Nüchtern betrachtet war's betrunken besser

Ein Abend mit Thomas Kaufmann

Ei­gent­lich wollte Paul seine Ehefrau schon längst als au­ßer­ge­wöhn­li­che Belastung absetzen, doch sie ist immer noch da: „de Muddi“ – große Ge­wohn­heits­lie­be und Endgegner zugleich. Nur einmal hat er ihr wi­der­spro­chen. Seitdem hört er auf dem linken Auge nichts mehr.

Kein Wunder also, dass Paul auch 30 Jahre nach der durch­zech­ten Hoch­zeits­nacht immer noch aus­nüch­tert. Aber wer schwankt, hat schließ­lich mehr vom Weg.

Mitt­ler­wei­le schlafen beide getrennt, doch das Sakrament der Ehe liegt noch immer wie ein Fluch auf ihrem Segen.

So stolpert Paul immer öfter allein durchs Leben. Mit fun­dier­tem Halb­wis­sen baut er das IKEA-Bett auch ohne Anleitung zusammen, um am Ende fest­zu­stel­len, dass er ein Regal gekauft hat. Da kann auch seine neue „Freundin“ Alexa nicht helfen. Also doch lieber na­tür­li­che Dummheit, als künst­li­che In­tel­li­genz.

Schluss­end­lich aber muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss. Außer, de Muddi sieht das anders, dann nicht. Bald feiern beide „Blu­men­hoch­zeit“. Dann ist sie verwelkt und er verduftet.

Und auch wenn Alkohol nur chemisch gesehen eine Lösung ist, war es nüchtern be­trach­tet, betrunken wirklich besser.

Über „Mein Freund, der be­trun­ke­ne Sachse"
Mit „Mein Freund, der be­trun­ke­ne Sachse" schuf Thomas Kaufmann eine Hommage auf den ver­stor­be­nen Ka­ba­ret­tis­ten Olaf Böhme, die so manchen Gast vor Lachen, als auch vor Rührung weinen ließ. Nun nimmt er Paul, den be­trun­ke­nen Sachsen, erneut an die Hand und führt ihn in die heutige Zeit. Natürlich nicht ohne all die bisher un­er­wähn­ten Schätze mit in den Ein­kaufs­beu­tel zu packen. Denn es gibt noch so viel zu berichten: von Strick­klei­dern und Ka­na­ri­en­vö­geln, von Dessous und Tup­per­do­sen, von Urlaub, Autos und anderen Ka­ta­stro­phen

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