DER SOHN (UA)

Die Niederlausitz hat es nicht immer leicht. Da wird erst ihre Kernindustrie aus Gründen der Ökologie abgewickelt und dann steht auch noch der neue Traum von Europas größter Seenlandschaft auf   wackeligen Beinen – weiß ja keiner so genau, ob das Grundwasser am Ende wirklich reicht. Vielleicht hat ja der Messias Elon Musk Erbarmen… Eine Region kämpft um ihre Vision und mittendrin Familie Walter. Die Eltern Anja und Thomas brauchen dringend eine Idee, wie sie den Kredit für die angekaufte Eigentumswohnung abzahlen können. Aber sie haben in den letzten 30 Jahren ja schon ganz andere Dinge wieder hingebogen, mit Anpassungsfähigkeit und einer großen Portion Pragmatismus. Ihre Kinder Tine und Finn dagegen stecken tief in der jugendlichen Sinnkrise angesichts so großer Themen wie dem Klimawandel oder auch einfach nur der Langeweile in der Brandenburger Behaglichkeit – beides macht es ihnen schwer, an irgendeine Zukunft zu glauben. Zumal das Angebot an Wahrheiten, Identitäten, Untergangsszenarien und Erlösungsversprechen so unübersichtlich groß ist, dass es schier unmöglich scheint, eine eigene Position zu finden. So richtig verstehen sie einander nicht, die Wendekinder und die Nach-2000-Geborenen; es ist ja schon   schwierig genug, innerhalb der gleichen Generation einen Konsens zu finden. Das ist mal lustig und mal traurig, vor allem aber herzergreifend ehrlich, denn mit großer Liebe zu seinen Figuren und seiner unvergleichlich präzisen Ironie zeigt Oliver Bukowski, wie viel Weltgeschichte in der (auf den ersten Blick so normalen) Familie Walter vom Cottbuser Stadtrand steckt.

Oliver Bukowskis Gesellschaftsdrama sollte bereits 2020 Premiere an der neuen Bühne haben und als Teil des LAUSITZEN auch am Staatstheater Cottbus und Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen gezeigt werden. Dies alles verhinderte die Corona-Pandemie leider, aber wir freuen uns Ihnen Der Sohn nun doch noch als Eigenproduktion zeigen zu können. Und auch in der Lausitz ist seitdem viel passiert. Elon Musk ist tatsächlich hier und Guben bekommt ein Lithiumwerk. Der Autor hat sein Stück deswegen auf die gegenwärtige Situation hin aktualisiert. Bukowski kennt als gebürtiger Cottbuser die Lausitz gut. Humorvoll erforscht er die Bruchlinien zwischen Generationen, Biografien und Gesellschaftsschichten und erweist sich in diesem Fall auch als ihr Orakel… oder Kassandra.  

Ab der zweiten Vorstellung findet im Rangfoyer ein Aufführungsgespräch statt. Kommen Sie mit Regisseur Mario Holetzeck und seinem Team ins Gespräch - über die Inszenierung, Themen, die Arbeit am Stück oder oder oder.  Es moderiert Lukas Schädler, Dauer: ca. 45 Minuten.

Regie & AusstattungMarioHoletzeck
VideoOliverSeidel
DramaturgieLukasSchädler
Regieassistenz/Soufflage/InspizienzSandraVogel
Regieassistenz/Soufflage/InspizienzMirkoWarnatz
Finn WalterLeonHaller
Anja WalterJohanna-JuliaSpitzer
Tine WalterEsra MariaKreder
Thomas WalterRolandKurzweg
Dr. Bremer DanielBorgwardt
Frau MarkwartCatharinaStruwe
Martin (im Video)OliverSeidel