Die Taube auf dem Dach
1973/1990, Regie Iris Gusner
DEFA-Filmreihe
Nachdem Iris Gusner von ihrem Regiestudium an der renommierten Moskauer Filmhochschule WGIK zurückgekehrt war, legte sie mit diesem Film ihr Debüt im DEFA-Studio vor. Das Thema hätte eigentlich gefallen müssen. Eine junge Ingenieurin nimmt ihre Arbeit auf einer Großbaustelle innerhalb des DDR-Wohnungsbauprogramms auf. Dort begegnet sie dem vielgerühmten Proletariat. Doch wie dieses Aufeinandertreffen dargestellt ist, das gefiel der Kulturbürokratie überhaupt nicht. Zudem wählte die Regisseurin auch noch ungewohnte Erzählformen. Das erschien Grund genug, dem Archivkeller einen weiteren erbotsfilm hinzuzufügen. „DDR-feindlich war die ‚Taube‘ natürlich nicht. Nur kleinbürgerfeindlich. Kleinbürger merken so etwas.“, so 2010 Kerstin Deckers Erklärung für das Verbot. Heute vielleicht ein Grund mehr, sich diesem Film erneut zuzuwenden.
Über die DEFA-Filmreihe
Die DEFA-Filmreihe 2026/27 steht unter dem Titel „Persönliches Glück – gesellschaftliche Herausforderungen”. Die nun schon traditionelle filmische Zeitreise mit Klassikern aus dem DEFA-Studio in Babelsberg stellt in der kommenden Spielzeit in diesem Sinne Fragen nach dem Spannungsverhältnis zwischen beruflicher Herausforderung und subjektivem Glücksanspruch in den Mittelpunkt. Wenn die Filmhandlungen auch in eine vergangene Welt führen, so erweisen sich die verhandelten Konflikte überraschend zeitlos und damit oftmals sehr heutig. Immer wieder ist in diesen Filmen zu erleben, dass einerseits sehr genau und sinnlich erfahrbar Lebensumgebungen und damit Lebensverhältnisse der DDR-Gesellschaft aufgezeigt werden. Darüber hinaus aber sprechen die Filme allgemeinmenschliche Fragen an, deren Wurzeln in die Antike, bis zu den Geschichten der Bibel oder der Philosophie der Aufklärung zurückreichen. Mithin geht es um Formen und Inhalte von Leben schlechthin. Diesen Aspekten werden alle Filme der aktuellen Reihe gerecht.
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