
Fremd
von Michel Friedman
Ein Kind im Transit zwischen Ländern, Sprachen, Identitäten. Seine Eltern sind aus dem besetzten Polen entkommen, weil sie auf „Schindlers Liste“ standen. Früh lernt der Junge, ihnen Mut zu machen, sie zum Lachen zu bringen und im Alltag zu unterstützen. „Kindheitsberuf: Lebensübersetzer.“ Eine gewaltige Aufgabe für ein Kind. Sein Lebensweg führt ihn zurück ins Land der Täter, immer auf der Suche nach sich selbst und nach einem Wir, das nicht ausgrenzt.
Michel Friedmans „Fremd“ ist ein berührender Text voll poetischer Wucht und tiefgründigem Humor. Er schildert die Erfahrung des Fremdseins, die Angst, aber auch Begegnungen und Momente, die Mut machen. Existenziell und zutiefst menschlich erinnert er daran, dass wir in der Fremde alle fremd sind. Und manchmal sogar in uns selbst. Friedmanns Monolog ist biografisch und historisch inspiriert. Er erzählt von der universellen Erfahrung des Fremdseins, die wir alle kennen – und die uns verbinden kann.
In der Inszenierung von Elina Finkel wird Friedmans Text zum Spiel in einem Zwischenraum, durch dessen milchige Scheiben das Licht schimmert. Drei Spielende und eine Puppe lassen aus den Erinnerungen eine lebendige Geschichte entstehen. Fremdheit erscheint darin als Erfahrung, die alle kennen und die uns verbinden kann.