Fremd
von Michel Friedman
Ein Kind zwischen Ländern, Sprachen, Identitäten. Seine jüdischen Eltern sind aus dem besetzten Polen entkommen, weil sie auf „Schindlers Liste“ standen. Früh lernt der Junge, ihnen Mut zu machen, sie zum Lachen zu bringen und im Alltag zu unterstützen. „Kindheitsberuf: Lebensübersetzer.“ Eine gewaltige Aufgabe für ein Kind. Sein Lebensweg führt ihn zurück nach Deutschland – immer auf der Suche nach dem eigenen Ich und einem Wir, das nicht ausgrenzt.
In Elina Finkels Inszenierung begegnen sich eine Schauspielerin, eine Puppenspielerin und eine Puppe. Das alte und das junge Kind. In einem Warteraum mit milchigen Fenstern werden Erinnerungen wach: ein Ausflug mit der Mutter und das erste Eis, Grenzkontrollen, Zirkusbesuche, später die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.
Wie wird man unter solchen Bedingungen erwachsen und was gibt einem Tag für Tag die Kraft zum Weitermachen? Neben Szenen aus der Kindheit geht es um die Herausforderung, auch in schwierigen Zeiten nicht aufzugeben. Und vom Engagement gegen den Hass, als Konsequenz aus der Geschichte, die Friedmans Familie geprägt hat und bis heute nachwirkt.
Michel Friedmans biografischer Text „Fremd“ ist berührend, klug und voll poetischer Wucht. Er erinnert daran, dass wir in der Fremde alle fremd sind. Und manchmal sogar in uns selbst. Fremdheit als Erfahrung, die wir alle kennen – und die uns verbinden kann.
„Theater, das zu Herzen rührt – und manchen sogar zu Tränen. Und so werden die Monologe zu einem Dialog mit dem Publikum, der nicht tieftraurig endet, sondern mit einem nicht enden wollenden Applaus und dem Gefühl: Es gibt eine Brücke vom Ich zum Wir. Einmal mehr ein Achtungszeichen für engagiertes zeitgenössisches Theater aus Senftenberg unter der Intendanz von Daniel Ris - diesmal getragen von geballter Frauenpower.“ Lausitzer Rundschau online vom 15.02.2026

