Medusa. Nachdenken mit Christa Wolf

Uraufführung

von Paula Thielecke

Premiere 5. Dezember 2026 im Studio

In der Fabrik erfährt die Ar­bei­te­rin Medusa sexuelle Gewalt durch ihren Vor­ar­bei­ter Poseidon. Das Unheil eskaliert, als Athene, ihre Vor­ge­setz­te, sie nicht schützt, sondern für das Erlebte noch bestraft. Medusa wird entstellt: Schlan­gen­haar, bleckende Zähne, her­aus­ge­streck­te Zunge. Ent­mensch­licht und zur Pro­jek­ti­ons­flä­che der Angst gemacht, wird ihre Wut zu Kraft, die jeden zu Stein erstarren lässt, der ihr in die Augen blickt. Ihre Ermordung wird zum Triumph sti­li­siert und geht in die Kul­tur­ge­schich­te ein. Die Schrift­stel­le­rin Christa Wolf griff mit Kassandra und Medea auf my­tho­lo­gi­sche Frau­en­fi­gu­ren zurück, um durch ihre Augen auf ihre Gegenwart zu schauen. Das Buch über Medusa blieb un­ge­schrie­ben. Re­gis­seu­rin und Autorin Paula Thielecke denkt Christa Wolfs Ansatz im Sinne der Autorin weiter. Die In­sze­nie­rung verbindet die Ge­schich­te der antiken Medusa mit Christa Wolfs Leben, ihrem fe­mi­nis­ti­schen Denken und Schreiben sowie mit aktuellen Fragen zu ge­schlechts­spe­zi­fi­scher Gewalt und Femiziden.

Frauen un­ter­schied­li­cher Ge­nera­tio­nen begegnen auf der Bühne der Autorin Christa Wolf. Die Ge­schich­te wird lebendig, während sie ge­schrie­ben wird. Die Le­bens­ge­schich­ten der Be­tei­lig­ten beginnen sich mit Wolfs Texten zu durch­drin­gen. Live-Musik vom Plat­ten­spie­ler und ein eigens kom­po­nier­ter Sound­track von Jon Darc erzeugen dabei eine dichte mu­si­ka­li­sche At­mo­sphä­re zwischen dunklem Ex­pe­ri­men­tal-Pop und elek­tro­ni­schen Klängen. Wie prägen Er­fah­run­gen und po­li­ti­sche Werte die in­di­vi­du­el­len Le­bens­we­ge? Und wie ver­än­der­bar ist die eigene Haltung zur Welt?

Die Pro­duk­ti­on wird filmisch begleitet von Re­gis­seu­rin und Grimme-Preis­trä­ge­rin Sabine Michel und Teil ihres künst­le­ri­schen Do­ku­men­tar­films über die „Jahr­hun­dert­frau“ (AT) Christa Wolf. Auf der Bühne begegnen sich Spie­le­rin­nen des Ensembles und Stu­den­tin­nen der Berliner Hoch­schu­le für Schau­spiel­kunst Ernst Busch. 

Am 10. Dezember zeigen wir die In­sze­nie­rung als Abschluss der Orange Days. Die UN-Kampagne setzt vom 25. November bis 10. Dezember ein welt­wei­tes Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Öf­fent­li­che Gebäude werden dabei orange an­ge­leuch­tet - als Symbol für eine Zukunft ohne Angst und Un­ter­drü­ckung. Wir schließen uns dieser Aktion an und werden in diesem Zeitraum unseren Büh­nen­turm orange er­strah­len lassen und damit 
den Blick auf pa­tri­ar­cha­le Macht­struk­tu­ren lenken. Künst­le­risch greift „Medusa. Nach­den­ken über Christa Wolf” Thema auf, denn in Paula Thiel­eckes Stück­ent­wick­lung wird der antike Medusa-Mythos mit Werken von Christa Wolf neu hin­ter­fragt: Medusa – einst das Opfer, dann zum Monster erklärt – steht für die Täter-Op­fer­Um­kehr, die Frauen bis heute erfahren. Ein ein­dring­li­cher Thea­ter­abend über ge­schlechts­spe­zi­fi­sche Gewalt und Femizide, über Macht und Befreiung.

Text und Regie
PaulaThielecke
Bühnen- & Kostümbild
JanKoslowski
Musik
JohannesFrick aka Jon Darc
Künstlerischer Dokumentarfilm
SabineMichel
Dramaturgie
RichardPfützenreuter
künstlerische Mitarbeit Bühne & Kostüm
PaulDogerloh
mit
LenaConrad
ChristinaDom
Mina HalideGusche
Toni MetaLeue
JördisWölk
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